Spritpreise im September steigen deutlich

VOGELSBERGKREIS
Autofahrerinnen und Autofahrer müssen derzeit beim Tanken tief in die Tasche greifen. Die Kraftstoffpreise sind in den ersten Septemberwochen 2026 erneut deutlich gestiegen. Besonders stark fiel der Anstieg beim Diesel aus.

Nach Angaben des Bundeskartellamtes kostete der Liter Kraftstoff im September bislang durchschnittlich rund 2,30 Euro bei Super E5, 2,25 Euro bei E10 und 2,31 Euro bei Diesel. Gleichzeitig stiegen die Preise innerhalb weniger Tage deutlich an. Zwischen dem 1. und 11. September verteuerte sich Benzin um 7,1 Cent je Liter, Diesel sogar um 13,6 Cent je Liter.

Für Autofahrer bedeutet das: Bei einer Tankfüllung von beispielsweise 50 Litern können wenige Cent Unterschied pro Liter bereits mehrere Euro ausmachen.

Als einen wichtigen Faktor nennt das Bundeskartellamt die angespannte Situation auf den internationalen Märkten im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt. Zwischen dem 1. und 11. September stieg demnach auch der Rohölpreis.

Allerdings kommt der Preis an der Tankstelle nicht ausschließlich vom Rohölpreis. Zwischen dem Rohöl und dem Preis, den Autofahrer an der Zapfsäule bezahlen, liegen weitere Stufen – unter anderem Raffinerien, Großhandel, Transport, Tankstellenbetrieb sowie Steuern und Abgaben.

Das Bundeskartellamt beobachtet deshalb nicht nur den Ölpreis, sondern untersucht derzeit auch genauer, wie die Preise auf der Raffinerieebene entstehen.

Das Bundeskartellamt hat bereits seit dem Frühjahr Verfahren gegen Raffineriebetreiber laufen. Die Behörde wertet derzeit die Antworten der Unternehmen auf umfangreiche Auskunftsersuchen aus.

Parallel dazu werden deutschlandweit mehrere hundert Tankstellenbetreiber befragt. Diese Tankstellen repräsentieren laut Bundeskartellamt mehr als 90 Prozent des deutschen Tankstellennetzes.

Dabei geht es um eine wichtige Frage: Sind die hohen Preise allein durch gestiegene Kosten und die Marktbedingungen erklärbar – oder gibt es möglicherweise kartellrechtlich relevante Auffälligkeiten?

Eine endgültige Antwort darauf gibt es derzeit noch nicht.

Das Bundeskartellamt betont ausdrücklich, dass die laufenden Untersuchungen Zeit benötigen. Hohe Preise allein seien noch kein Beweis für einen kartellrechtlichen Missbrauch. Entscheidend sei vielmehr, ob ein Preis unter Berücksichtigung der tatsächlichen Kosten und Marktbedingungen unangemessen hoch sei.

Spritpreise vom 12.09.2024

Auch der Blick auf den August zeigt, dass die aktuelle Entwicklung nicht erst im September begonnen hat.

Nach den Angaben des Bundeskartellamtes lag der durchschnittliche Preis im August bei 2,203 Euro je Liter E5, 2,146 Euro je Liter E10 und 2,223 Euro je Liter Diesel.

Zu Beginn des Septembers kam es dann zu einem weiteren deutlichen Preissprung von rund 8 bis 10 Cent je Liter. Gleichzeitig stellte das Bundeskartellamt regionale Unterschiede fest. Zwischen verschiedenen Regionen Deutschlands lagen die Preise für E5 und Diesel im August teilweise um bis zu 15,1 Cent je Liter auseinander.

Eine Rolle spielten dabei unter anderem unterschiedliche Beschaffungskosten. Das Bundeskartellamt verwies insbesondere auf die Folgen des niedrigen Wasserstands des Rheins, der Transporte verteuern kann.

Auch im europäischen Vergleich fallen die deutschen Kraftstoffpreise auf. Das Bundeskartellamt ordnet Deutschland bei den Preisen inklusive Steuern und Abgaben im europäischen Vergleich im oberen Bereich ein.

Allerdings ist ein solcher Vergleich nicht ganz einfach. Denn die einzelnen europäischen Staaten haben unterschiedliche Steuern, Abgaben, Preisregelungen und Marktbedingungen.

Auch deshalb betrachtet das Bundeskartellamt zusätzlich die Nettopreise, also die Preise ohne Steuern und Abgaben. Diese liegen in Deutschland ebenfalls vergleichsweise hoch.

Für viele Menschen ist das Auto im Alltag kaum zu ersetzen – etwa für den Weg zur Arbeit, zum Arzt, zum Einkaufen oder für Fahrten im ländlichen Raum.

Die Verbraucherzentrale weist deshalb darauf hin, dass sich bereits mit einfachen Maßnahmen Kraftstoff sparen lässt. Dazu gehören beispielsweise der richtige Reifendruck, weniger unnötiges Gewicht im Fahrzeug und eine vorausschauende Fahrweise. Auch Dachgepäckträger können den Verbrauch deutlich erhöhen.

Ein weiterer Punkt ist der Vergleich der Tankstellenpreise. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, Preise über entsprechende Apps oder Internetangebote zu vergleichen. Ein kleiner Umweg kann sich lohnen, wenn der Preisunterschied ausreichend groß ist.

Auch die Fahrweise spielt eine Rolle. Gleichmäßiges und vorausschauendes Fahren, frühes Hochschalten und eine angemessene Geschwindigkeit können den Kraftstoffverbrauch reduzieren.

Seit April 2026 gelten zudem neue Regeln für Preisänderungen an Tankstellen. Nach Angaben der Verbraucherzentrale dürfen Tankstellen ihre Preise grundsätzlich nur noch einmal täglich um 12 Uhr erhöhen. Preissenkungen sind dagegen weiterhin auch zu anderen Zeiten möglich.

Für Autofahrer kann deshalb ein Blick auf die Preise am Vormittag interessant sein. Die Verbraucherzentrale verweist darauf, dass sich das bisherige Preisverhalten durch die neue Regelung verändern kann.

Allerdings bedeutet die 12-Uhr-Regel nicht automatisch, dass jeder Autofahrer jeden Tag unmittelbar vor 12 Uhr den günstigsten Preis findet. Die tatsächlichen Preise unterscheiden sich weiterhin je nach Tankstelle und Region.

Die Verbraucherzentrale sieht nicht nur die Autofahrer selbst in der Verantwortung. Nach ihren Angaben besteht angesichts der hohen Kraftstoffpreise auch ein politischer Handlungsbedarf bei der Entlastung von Verbraucherinnen und Verbrauchern.

Für Verbraucher bleibt deshalb die Frage offen, wie sich die hohen Mobilitätskosten in den kommenden Wochen entwickeln werden.

Auch für die Menschen im Vogelsbergkreis und in Osthessen stellt sich die Frage, wie die Landespolitik die derzeit hohe Belastung durch die Kraftstoffpreise bewertet.

Die Vogelsberger Zeitung hat deshalb neben den Informationen des Bundeskartellamtes und der Verbraucherzentrale auch beim zuständigen hessischen Wirtschaftsressort angefragt.

Eine Stellungnahme des hessischen Wirtschaftsministeriums steht zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Berichts noch aus. Sobald eine Antwort vorliegt, werden wir über die Position des Landes Hessen und mögliche Maßnahmen beziehungsweise Forderungen informieren.

Die derzeit hohen Spritpreise haben mehrere Ursachen. Internationale Entwicklungen und der Rohölpreis spielen eine Rolle. Gleichzeitig können Raffinerie- und Großhandelspreise, Transportkosten, regionale Wettbewerbsbedingungen sowie Steuern und Abgaben den Preis an der Zapfsäule beeinflussen.

Ob bei der Preisbildung auf Raffinerieebene möglicherweise kartellrechtlich relevante Vorgänge eine Rolle spielen, soll die laufende Untersuchung des Bundeskartellamtes klären. Ein Ergebnis liegt derzeit noch nicht vor.

Für Autofahrer bleibt damit vorerst vor allem eines: Preise vergleichen, vorausschauend fahren und unnötigen Kraftstoffverbrauch vermeiden.

Die Entwicklung der Kraftstoffpreise bleibt auch für die Menschen im Vogelsberg ein wichtiges Thema. Die Vogelsberger Zeitung wird die weitere Entwicklung beobachten und über neue Erkenntnisse sowie die noch ausstehende Stellungnahme aus Hessen berichten.

Quellen: Bundeskartellamt, Pressemitteilungen vom 8. und 14. September 2026; Verbraucherzentrale, „Hohe Kraftstoffpreise – 7 Tipps fürs bewusste Autofahren“, Stand 24. März 2026.

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Erstellt von Dominic Kreller.