Mythen über Windräder halten sich hartnäckig. Doch wissenschaftliche Studien zeigen: Weder verhindern Windkraftanlagen Regen noch werden sie nach ihrer Lebensdauer einfach vergraben.
Zusammenfassung von Karl-Ernst Crönlein
Immer wieder taucht in sozialen Netzwerken die Behauptung auf, Windkraftanlagen würden Regen verhindern, Dürren verursachen oder sogar für die Zunahme von Waldbränden verantwortlich sein. Ebenso hält sich das Gerücht, ausgediente Windräder würden einfach im Boden vergraben. Ein Blick auf den aktuellen Stand der Wissenschaft zeichnet jedoch ein anderes Bild.
Windkraftanlagen haben keinen Einfluss auf großräumige Wetterlagen
Nach Erkenntnissen der Meteorologie entstehen Niederschläge durch großräumige Wetterprozesse in mehreren Kilometern Höhe. Entscheidend sind das Zusammenspiel von Hoch- und Tiefdruckgebieten, Luftströmungen und dem Jetstream. Windkraftanlagen reichen mit ihren Rotorspitzen lediglich bis in etwa 200 bis 300 Meter Höhe und beeinflussen ausschließlich die untersten Schichten der Atmosphäre.
Nach übereinstimmender Einschätzung von Meteorologen besitzen Windräder nicht die Energie, um Regenwolken aufzulösen oder großräumige Wettersysteme zu verändern. Einen Zusammenhang zwischen dem Ausbau der Windenergie und ausbleibendem Regen konnten wissenschaftliche Untersuchungen bislang nicht nachweisen.
Lokale Veränderungen sind messbar – aber räumlich begrenzt
Studien zeigen allerdings, dass größere Windparks das Mikroklima in ihrer unmittelbaren Umgebung geringfügig beeinflussen können. Die Rotoren verwirbeln die Luft, wodurch sich unterschiedliche Luftschichten vermischen. Dadurch können sich Temperatur und Luftfeuchtigkeit im direkten Umfeld leicht verändern.
Diese Effekte beschränken sich jedoch auf das Gebiet rund um die Anlagen und nehmen mit zunehmender Entfernung rasch ab. Sie reichen nach dem Stand der Forschung nicht aus, um regionale Trockenperioden oder Dürren zu verursachen.
Klimawandel verändert Niederschlagsmuster
Die in vielen Regionen beobachteten Veränderungen bei Niederschlägen sowie längere Trockenphasen führen Wissenschaftler überwiegend auf den menschengemachten Klimawandel zurück. Steigende Durchschnittstemperaturen verändern Luftströmungen und Wetterlagen, wodurch sich Niederschlagsmuster verschieben können.
Windkraftanlagen gelten dagegen als Bestandteil der Energiewende. Da sie bei der Stromerzeugung praktisch kein CO₂ ausstoßen, tragen sie dazu bei, den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase zu verringern.
Was passiert mit alten Windkraftanlagen?
Auch beim Recycling kursieren zahlreiche Fehlinformationen. Tatsächlich müssen Windkraftanlagen nach ihrer Stilllegung zurückgebaut werden. Grundlage dafür sind die Vorgaben des Baugesetzbuches sowie die Auflagen der jeweiligen Genehmigungsbehörden. Ein einfaches Vergraben der Anlagen ist nicht zulässig.
Je nach Anlagentyp lassen sich bereits heute rund 85 bis über 90 Prozent der verwendeten Materialien wiederverwerten. Türme und Maschinenhäuser bestehen überwiegend aus Stahl, Eisen und Kupfer, die vollständig recycelt werden können. Auch der Stahlbeton aus den Fundamenten wird aufbereitet und beispielsweise im Straßenbau oder als Zuschlagstoff für neuen Beton eingesetzt.
Rotorblätter bleiben die größte Herausforderung
Am aufwendigsten ist derzeit das Recycling der Rotorblätter. Sie bestehen aus glas- oder carbonfaserverstärkten Kunststoffen, die sich nur schwer voneinander trennen lassen. Deshalb werden viele ausgediente Rotorblätter derzeit zerkleinert und unter anderem in der Zementindustrie verwertet. Dabei ersetzen die enthaltenen Kunststoffe fossile Brennstoffe, während mineralische Bestandteile in den Zement einfließen.
Gleichzeitig arbeiten Forschungseinrichtungen und Hersteller an neuen Recyclingverfahren. Mithilfe chemischer Prozesse sollen Fasern und Harze künftig besser voneinander getrennt werden. Zudem kommen inzwischen erste Rotorblätter auf den Markt, die sich am Ende ihrer Lebensdauer deutlich einfacher recyceln lassen.
Fazit
Die wissenschaftliche Datenlage spricht eine klare Sprache: Windkraftanlagen verändern weder das großräumige Wetter noch verhindern sie Regen. Messbare Auswirkungen beschränken sich auf geringfügige Veränderungen des Mikroklimas unmittelbar im Umfeld von Windparks.
Auch die häufig geäußerte Behauptung, ausgediente Windräder würden einfach vergraben, hält einer Überprüfung nicht stand. Der überwiegende Teil einer Windkraftanlage kann bereits heute recycelt oder wiederverwertet werden. Die größte Herausforderung bleiben die Rotorblätter – doch auch hier entwickelt die Branche kontinuierlich neue Lösungen.
Quellen:
Deutscher Wetterdienst (DWD), Umweltbundesamt (UBA), Fraunhofer IWES, Bundesverband WindEnergie (BWE), IPCC sowie veröffentlichte Studien zum Einfluss von Windparks auf das lokale Mikroklima.

