Hephata holt junge Menschen aus Marokko für die Pflege nach Deutschland – Ausbildung, Sprachförderung und Hilfe beim Ankommen gehören zum Projekt
SCHWALMSTADT
Die Pflege braucht Fachkräfte. Die Hephata Soziale Dienste und Einrichtungen gGmbH (hsde) und die Hephata-Akademie für soziale Berufe wollen deshalb neue Wege gehen. Gemeinsam haben sie ein Ausbildungs- und Integrationsprojekt gestartet.
Aktuell machen 57 junge Menschen aus Marokko in Schwalmstadt und der Region eine Ausbildung in der Pflege. Sie absolvieren entweder die generalistische Pflegeausbildung oder eine Pflegehilfe-Ausbildung.
Der größte Teil der Theorie wird an der Hephata-Akademie für soziale Berufe unterrichtet. Die praktische Ausbildung übernimmt vor allem die hsde. Auch das Diakonie-Zentrum Frielendorf ist beteiligt.
Die hsde betreibt fünf Seniorenzentren und zwei ambulante Pflegedienste in den Landkreisen Schwalm-Eder, Marburg-Biedenkopf und Vogelsberg. Insgesamt sind dort 104 Menschen in der Pflegeausbildung.
Hilfe beim Start in Deutschland
Zum Projekt gehört nicht nur die berufliche Ausbildung. Die jungen Menschen werden auch beim Start in Deutschland unterstützt.
Die hsde hilft zum Beispiel bei der Wohnungssuche und bei Behördengängen. Auch Fragen zum deutschen Gesundheitssystem werden erklärt. Dazu kommen Hilfen im Alltag, etwa beim Einrichten der Wohnung oder bei der Nutzung digitaler Angebote.
Die neuen Auszubildenden werden nach Angaben der hsde sogar am Flughafen abgeholt. Bei Problemen stehen Ansprechpartner zur Verfügung.
„Die jungen Menschen sind nicht nur zum Arbeiten nach Deutschland gekommen“, sagt hsde-Geschäftsführer Oliver Pappert. Sie sollen auch in Deutschland ankommen, ein eigenes Leben aufbauen und eine berufliche Zukunft entwickeln können.
Ausbildung mit guten Deutschkenntnissen
Die Zusammenarbeit begann mit einer Sprachenschule in Fès, einer Großstadt im Nordosten Marokkos. Über eine Fachkräfte-Agentur kam der Kontakt zustande.
Pappert führte die Bewerbungsgespräche selbst vor Ort. Aus 40 Bewerbern erhielten im ersten Jahrgang 20 Menschen einen Ausbildungsplatz. Zehn Frauen und zehn Männer waren damals zwischen 19 und 32 Jahre alt.
Heute sind noch 16 von ihnen dabei. Die ersten Auszubildenden sollen im September ihre Ausbildung beenden. Danach wollen sie bei der hsde weiterarbeiten.
Alle Auszubildenden haben das marokkanische Abitur. Viele hatten bereits ein Praktikum im Gesundheitswesen gemacht. Einige hatten auch schon eine Ausbildung begonnen oder studiert.
Vor ihrer Ankunft in Deutschland hatten sie in der Sprachenschule Deutsch bis zum Niveau B2 gelernt.
Wegen der guten Erfahrungen führte Hephata im Oktober 2024 und 2025 weitere Bewerbungsgespräche. Danach erhielten weitere 41 junge Menschen einen Ausbildungsvertrag.

Integration gehört zur Ausbildung
Für die Verantwortlichen ist die Integration ein wichtiger Teil des Projekts. Die Auszubildenden müssen sich nicht nur an eine neue Ausbildung gewöhnen. Sie leben auch in einem neuen Land und lernen eine neue Kultur kennen.
„Ein neues Land, eine neue Sprache, eine neue Kultur, weit weg von Familie und Freunden“, beschreibt Pappert die Situation. Gerade in den ersten Monaten könne Heimweh eine große Rolle spielen.
Deshalb seien feste Ansprechpartner wichtig. Die hsde unterstützt die jungen Menschen auch dabei, Kontakte außerhalb der Arbeit aufzubauen.
Ein Beispiel ist ein Auszubildender, der Fußball in Wasenberg spielt. Er sei inzwischen ein fester Teil der Mannschaft, berichtet Pappert.
Fortschritte bei Sprache und Ausbildung
Auch an der Hephata-Akademie werden die Auszubildenden eng begleitet. Monica Girardi, Abteilungsleiterin der Pflegeschule, berichtet von anfänglichen sprachlichen Schwierigkeiten.
Die Auszubildenden mussten sich außerdem mit den Besonderheiten der Pflegeausbildung und den beruflichen Regeln in Deutschland vertraut machen.
Nach Angaben der Pflegeschule haben sie diese Herausforderungen erfolgreich bewältigt. Besonders positiv habe sich die deutsche Sprache entwickelt.
Die Auszubildenden hätten bereits bei ihrer Ankunft gute Deutschkenntnisse gehabt. Seitdem hätten sie im Unterricht und während der praktischen Ausbildung weitere Fortschritte gemacht.
Gütesiegel für Integration
Das Engagement für die Integration wurde auch ausgezeichnet. Die Seniorenwohnanlage Wiesenhof der hsde in Neustadt erhielt zwei sogenannte Integrationssterne.
Dabei handelt es sich um das Gütesiegel „Interkulturelle Vielfalt LEBEN“. Vergeben wird es vom Landkreis Marburg-Biedenkopf und der Universitätsstadt Marburg.
Mit dem Siegel werden Betriebe ausgezeichnet, die sich für Integration und kulturelle Vielfalt am Arbeitsplatz einsetzen.
Hephata will das Ausbildungs- und Integrationsprojekt weiter ausbauen. Ziel ist es, neue Pflegekräfte zu gewinnen und ihnen gleichzeitig gute Möglichkeiten für ein Leben in Deutschland zu geben.

