Im Zuge des 450-jährigen Jubiläum den Betrieb überschrieben bekommen
LAUTERBACH
Kürzlich feierte die Töpferei Bauer in Lauterbach das 450-jährige Jubiläum. Das Familienunternehmen verbindet seit Jahrhunderten Tradition mit moderner Innovation und bietet handgefertigte Keramikprodukte sowie individuelle Anfertigungen.

Seit 1575, wo erstmals ein Töpfermeister Bauer in den Unterlagen des Lauterbacher Handwerks auftaucht, wurde der immer vom Vater auf den ältesten Sohn weitergegeben. Der heute 27-jährige Leonard Bauer ist der dritte Leonard und in der 15. Generation. „Der zweite Leonard (1868-1953) hat ganz viel Jugendstil produziert“, erzählt uns der 27-Jährige in einem Interview. Er habe somit den Betrieb ziemlich bekannt gemacht. „Er hat viel mit der Darmstädter Jugendstil-Akademie zusammengearbeitet. Und da werden heute noch Stücke von ihm ausgestellt. Im Zuge von unserem Jubiläum habe ich den Betrieb überschrieben bekommen und das wollen wir gebührend feiern“, so Leonard Bauer III, der schon seit knapp 10 Jahren im Betrieb ist.

Die Töpferei Bauer stellt überwiegend Gebrauchsgeschirr ganz im klassischen Design her. „Wir machen hier auch diese Nachbildung der Keramik-, Räucher- und Dufthäuschen. Die Produktpalette ist ganz groß, und wir machen viel Gartenkeramik“, so der junge Bauer. Zudem können Artikel auch nach Kundenwunsch angefertigt und individualisiert werden.

Am Jubiläumstag war natürlich besonders viel los, wobei das Wetter auch gut mitspielte, sogar die Sonne ließ sich blicken. Die Töpferei Bauer wartete ihren Kundinnen und Kunden mit handgefertigten Keramikprodukten und ganz besonderen Geschenkideen auf. „Das hat optimal gepasst. Der Ansturm ist wirklich groß, mehr als wir gedacht haben, mehr als erwartet. Dementsprechend freue ich mich umso mehr dass wir zusammen feiern können“, sagte Leonard Bauer. 1996 wurde eine Filiale in Eisenach eröffnet und 2018 in Frankfurt am Main, wo besonders die Nachbildungen von Fachwerkhäusern Anklang finden.


Leonard Bauer erzählt uns etwas über den Grundwerkstoff Ton: „Wir benutzen Ton, den gibt es in jeder Farbpalette. Wie man vom Dach kennt, gibt es rote Ziegel und wir benutzen rein weißen Ton, der sehr partikelarm ist. Dann gibt es natürlich auch welche, die mit Farboxiden angereichert werden, mit denen malen wir zum Beispiel, Schlicker, so nennt man das. Der ist mit Farboxiden angereichert, dadurch merkt man auch, wenn man über den Scherben geht, dass es sich so ein bisschen hervorhebt. Den gibt es wirklich in jeder Farbe. Wir beziehen unseren Ton aktuell aus dem Westerwald. Diesen kann man in jeder Konstellation und dem Wassergehalt, den man braucht, bestellen. Zum Drehen brauchen wir zum Beispiel einen anderen Wassergehalt, als wenn man damit nur stanzen würde, wie es die Industrie macht. Natürlich muss der Ton vorbearbeitet werden, das dauert schon seine Zeit. Wenn man das Stück gedreht oder modelliert hat, dann braucht der Ton allein ein bis zwei Tage, bis er lederhart wird. Wenn wir zum Beispiel einen Krug töpfern, der muss dann gehenkelt werden. Das kann man nach zwei Tagen machen. Das muss dann ungefähr ein bis zwei Wochen trocknen und dann wird er bemalt. Dementsprechend muss er dann wieder trocknen. Wir brennen unsere Sachen zwischen 1100 und 1200 Grad. Da unterscheidet man auch zwischen Steingut und Steinzeug.“ Mittlerweile werden zusätzlich zu den traditionellen Keramikprodukten auch moderne Steinzeug-Serien gefertigt und mit der 2024 errichteten Solaranlage werden die Brennöfen klimaneutral betrieben.

So feierte man kürzlich das 450-jährige Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür, Livemusik mit der „1. Original Wallenröder Dicke Backe Kapell“ und am Abend mit der Band „Hui 2.0“, einer Showeinlage vom Showballett TUMABA im TV Lauterbach. Man konnte die Werkstatt zu besichtigen und das Töpfern einmal selbst auszuprobieren. Christine Dumsky stand in einem Zelt als Lehrerin und Model für Bodypainting zur Verfügung. Für das leibliche Wohl mit Essen und kühlen Getränken war bestens gesorgt. Kuchen und der Kaffee gab es von den Wallenröder Landfrauen. Ab 18 Uhr startete dann die große Jubiläumsparty.


