Foto: Vogelsberger Zeitung

Übung zum Atemschutztag der Feuerwehr Lauterbach

Körperlich fit sein – Enorme Belastung – Hoher Druck bei echten Einsätzen

LAUTERBACH
Einmal im Jahr versammeln sich die Atemschutzgeräteträger zu einer Übung, um verschiedene Szenarien zu üben. „Der Atemschutzeinsatz ist einer der gefährlichsten, den man im Feuerwehreinsatzalltag haben kann und deshalb regelmäßig geübt werden muss“, sagt Daniel Remiger, Ausbilder bei der Freiwilligen Feuerwehr Lauterbach.

Das Szenario: die Rettung eines verunfallten Atemschutzgeräteträgers aus einem engen Raum. „Wir waren heute mit 12 Atemschutzgeräteträgern vom Löschzug Mitte, auch ein paar junge Kameraden, die den Lehrgang noch frisch hatten. Es lief soweit sehr gut, ein paar Kleinigkeiten, die noch abgestellt werden müssen“, so Remiger. Genau für solche Fehler ist eine Übung gedacht, denn es kann nicht nach Drehbuch gehen. Es war zwar noch eine zweite Übung angedacht, die aber aufgrund von Zeitmangel zu einem anderen Termin abgehalten wird. „Das schöne ist, dass wir mit dem ehemaligen Möbelmarkt ein großes leer stehendes Gebäude zur Verfügung haben, wo wir beispielsweise mit einem wassergefüllten Schlauch in das Gebäude gehen können.

Man hat sich im Gebäude tatsächlich die engste Stelle, ausgesucht um ein gewisses Engegefühl zu erzeugen und den Druck zu erhöhen, erklärt Daniel Remiger. „Wenn wir den Druck bei einer Übung aufbauen, lernen die Kameraden damit umzugehen damit es in der echten Einsatzsituation funktioniert“, ergänzt Remiger.

Rund 90 Meter Schlauch hatte man im Gebäude verlegt wobei sich circa 600 Liter Wasser in den Schläuchen befinden, „und wir haben dabei noch keinen Liter Wasser abgegeben“, sagt Remiger. Im Löschfahrzeug befinden sich 1.600 Liter Wasser, bedeutet also, dass nur noch 1.000 Liter zur Verfügung stehen. „Wenn man schon 600 Liter Wasser braucht, um den Schlauch zu füllen, dann ist das ein Problem. Deshalb müssen wir schnellstmöglich an die Wasserversorgung aus dem Hydranten kommen, sonst geht den Kameraden im Gebäude schnell das Wasser aus“, sagt Daniel Remiger und erklärt, dass die restlichen 1.000 Liter Wasser in 5-6 Minuten verbraucht sind. Das kann für die Brandschützer sehr schnell lebensbedrohlich werden.

Der künstliche „Rauch“ war bei der Übung schon sehr hinderlich, bei echtem Rauch kommt noch eine Gefahr hinzu: die enorme Temperatur. „Bei einem echten Brand ist der Rauch schwarz und er ist heiß, wir reden hier von 200 – 300 Grad. Eine enorme Stresssituation“, betont Daniel Remiger. Hinzu komme noch die Wärmeentwicklung des Feuers, aber auch viel Krach. „Ich sage immer, Feuer fängt an und kreischt. Es ist ein Lärm und Getöse, was zusätzlich noch Stress verursacht“, so Remiger. Dies könne man schlecht in einer Übung simulieren. Zu der Schutzausrüstung, ca. 15-16 Kilogramm, kommt das Gewicht des gefüllten Schlauches hinzu. Die Brandschützer müssen körperlich fit sein und sollten sich in der Freizeit fit halten. Bei einem echten Einsatz kommt eventuell noch die Rettung von Personen hinzu. Das erfordert sehr viel Kraft und Anstrengung. „Wenn ich einen Zivilisten habe, der mit der Gefahrensituation gar nicht umgehen kann, und diesen sollen wir durch einen verrauchten Bereich führen, wo schlechte Sicht herrscht, das ist schon extrem belastend“, betont Remiger.

Mit einer Schleifkorb-Trage sollte die Person gerettet werden, denn es sei das beste Mittel, was die Feuerwehr hat. Damit könne man schnell eine Person retten. „Ich brauche aber dafür eine relativ gerade, wenig verwinkelte Fläche, weil diese Trage stabil ist. Funktioniert das nicht, muss der Trupp im Gebäude variieren und auf ein anderes Mittel umschwenken. Unsere Trupps haben immer mehrere Rettungsmittel dabei und müssen selbst entscheiden, welches das beste Mittel ist, beispielsweise ein Tragetuch“, sagt Daniel Remiger.

Die Übung hatten die Ausbilder Daniel Remiger und Philipp Boß organisiert und durchgeführt.

Unser Reporter vor Ort hat zum Schluss auch angepackt und selbst erlebt, welches Gewicht ein mit Wasser gefüllter Schlauch auf die Waage bringt: „Ganz schön anstrengend.“
Fachliche Anweisung für den Reporter.
„Ganz schön anstrengend.“
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