Thomas Schill (rechts) und Katja Schaper (Zweite von rechts) überreichten Sven Kießling (links) und Hasso Hofmann die Urkunde des Landes Rheinland-Pfalz. (Foto: Schlitt)

Blaulichtgottesdienst der Notfallseelsorge Vogelsberg ehrt Einsatzkräfte

Helfen ohne zu fragen

LAUTERBACH/VOGELSBERG

Der Blaulichtgottesdienst der Notfallseelsorge Vogelsberg fand mit der Eröffnung durch SaxAffair statt. Unter dem Motto „Weil ich es kann“ wurden Einsatzkräfte für ihr Engagement geehrt und ihre Expertise anerkannt.

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Die Formation „SaxAffair“ begleitete den Gottesdienst musikalisch.

Einen ganz besonderen Einstieg hatte die Formation SaxAffair laut einer Pressemitteilung des Evangelischen Dekanats Vogelsberg für den Beginn des diesjährigen Blaulichtgottesdienstes der Notfallseelsorge (NFS) Vogelsberg gewählt: Mit „Dona Dona“ eröffneten sie die Veranstaltung in der Stadtkirche Lauterbach, zu der Pfarrer Thomas Schill, Koordinator der Notfallseelsorge, vor wenigen Tagen viele Rettungskräfte aller Einsatzbereiche von Feuerwehr über Polizei bis hin zu Medizinischer Hilfe und THW, begrüßen konnte. Nach den etwas kleineren Veranstaltungen der letzten Jahre waren dieses Mal wieder sehr viele Menschen der Einladung der NFS gefolgt – würdigt sie doch das Engagement aller Rettungs- und Einsatzkräfte in ganz besonderem Maß.

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Pfarrer Sven Kießling führte in das Thema der Hilfe am Nächsten ein.

„Weil ich es kann“, lautete das diesjährige Motto des Gottesdienstes. Provokant, wie Pfarrer Sven Kießling zu Beginn seiner Eröffnungsworte fand, doch auch treffend: „Wir können, was wir tun. Wir haben es mit voller Absicht gelernt“, sagte er und verwies damit nicht nur auf das Engagement der Haupt- und Ehrenamtlichen, sondern auch auf deren Expertise: „Wer seine Freizeit, seine Lebenszeit hergibt, um zu helfen, tut dies nicht zufällig, sondern weil er oder sie es kann und will.“ Als Einstieg in das Thema Hilfe und Rettung wählte er die bekannte Geschichte des barmherzigen Samariters, der schnell dem Verletzten am Straßenrand zum Nächsten wurde, weil er sich verantwortlich machte und sich kümmerte.

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Stehenden Applaus gab es von den Gästen für den scheidenden ehemaligen NFS-Koordinator Harald Wysk.

Aus dem Bereich der Notfallseelsorge kamen im Lauf des Gottesdienstes, der durch passende, wunderbar vorgetragene Musik gut eingeteilt war, verschiedene Akteure zu Wort: Anneli Becker, die im Lauf des Abends noch aus ihrer Hospitationsphase in den aktiven Dienst übernommen wurde, berichtete von ihrer Intention, die Ausbildung zur Notfallseelsorgerin zu machen: Sie habe etwas Sinnvolles tun wollen. Den Aufwand und die Intensität dieser Ausbildung habe sie zwar unterschätzt, jedoch nie bereut, angefangen zu haben, klang bei ihrer Erzählung durch. Sie berichtete von schwierigen, dramatischen ersten Einsätzen, die sie an der Seite des erfahrenen Kollegen Jochen Tobisch absolviert hatte, und von der Sicherheit, die ihr die Zusammenarbeit mit den Kollegen gebe.

Jochen Tobisch indes legte sein Augenmerk an diesem Abend auf Einsätze, die so nicht absehbar waren, die ihm aufzeigten, dass es für Menschen Grenzen des Machbaren gebe, die zu akzeptieren seien. Besonders interessant sei für ihn die Erfahrung gewesen, einmal selbst auf Zuspruch und Hilfe angewiesen gewesen zu sein und zu fühlen, wie gut dies tue.

Als dritter Notfallseelsorger sprach Hasso Hofmann über proaktives Handeln an Unfallstellen, in denen er eher zufällig vor Ort war oder gezielt den Einsatz gesucht hat, wie im Ahrtal. Er betonte, dass auch der Rückhalt in der Familie nötig sei, wenn man spontan aufbreche und die Dauer der Abwesenheit ungewiss sei.

Im Gebet verwies Pfarrer Sven Kießling darauf, dass die Helfenden und Retter nicht allein seien, dass ihre Kraft von Gott komme und ihr Glaube ihnen helfen könne.

Der Blaulichtgottesdienst stand auch im Zeichen einiger formeller Handlungen: So wurde zunächst Pfarrer i.R. Harald Wysk entpflichtet. Er war Thomas Schills Vorgänger als Koordinator der Notfallseelsorge und auch nach seiner Dienstzeit noch als ehrenamtlicher Notfallseelsorger tätig. Aus gesundheitlichen Gründen gebe Wysk auch dieses Ehrenamt nun auf und erhielt eine feierliche Verabschiedung. Die Anwesenden erhoben sich und applaudierten dem verdienten Seelsorger stehend.

Aus ihrer Hospitationsphase in den aktiven Dienst übernommen wurden Anneli Becker, Yvonne Jenisch, Heide Klein und Kathi Rühl. Im Anschluss daran gab es noch eine besondere Ehrung: Für ihren Einsatz als Notfallseelsorger im Ahrtal erhielten Hasso Hoffmann und Pfarrer Sven Kießling die Urkunde des Landes Rheinland-Pfalz. Den Abschluss des Gottesdienstes machte vor den Fürbitten und der Ausgangsmusik noch eine Würdigung durch Dekanin Dr. Dorette Seibert.

Auch sie bezog sich auf die Geschichte des barmherzigen Samariters, der einem half, von dem er nichts wusste, sich ohne Ansehen der Person nur von dessen Not hat berühren lassen. „Er macht den Unterschied, und das tun Sie auch“, wandte Seibert sich an alle Einsatzkräfte: „Sie schauen hin und helfen, ohne zu fragen, was Sie davon haben.“ Diese Hilfe sei ein Bespiel für die Gebote Jesu; dahinter machte die Dekanin eine klare Haltung aus: „Nicht zu fragen, was nutzt es mir, sondern was nutzt es der Gesellschaft.“ Sie dankte allen Einsatzkräften ausdrücklich dafür und würdigte ganz besonders die Arbeit der Notfallseelsorge.

Der Einladung zu einem Imbiss nach dem Gottesdienst seien viele Menschen an diesem Abend gefolgt, der auf diese Weise auch eine gute Möglichkeit zum Austausch geboten habe.

Mehr zur Notfallseelsorge findet man unter https://dekanat-vogelsberg.ekhn.de/angebote/beratung-hilfe-seelsorge/notfallseelsorge.html. Wer Interesse an einer Ausbildung und Mitarbeit hat, kann sich an Thomas Schill (thomas.schill@ekhn.de) wenden.

Informationen über die „Notfallseelsorge Vogelsberg“
Die „Notfallseelsorge Vogelsberg“ ist ein ökumenisches Angebot der evangelischen Dekanate und der katholischen Pfarrgruppe im Vogelsbergkreis. Sie fungiert als ein Glied in der Rettungskette mit Polizei, Feuerwehren, Technisches Hilfswerk, Rettungsdiensten und Notärzten des Vogelsbergkreises. Notfallseelsorger leisten Beistand im akuten Krisenfall eines Menschen unabhängig von Konfession, Religion und Weltanschauung. Sie begleiten Direktbetroffene des Geschehens (Notfallseelsorge) und auch die Helfenden selbst (Nachsorge-Gespräche in der Gruppe oder individuelles Seelsorge-Gespräch) innerhalb einer Woche.

Mehr zur Notfallseelsorge findet man unter https://dekanat-vogelsberg.ekhn.de/angebote/beratung-hilfe-seelsorge/notfallseelsorge.html. Wer Interesse an einer Ausbildung und Mitarbeit hat, kann sich an Thomas Schill (thomas.schill@ekhn.de) wenden.

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