Prof. Dr. Klaus Peter Ebke, Honorarprofessor Justus-Liebig-Universität Gießen / Wissenschaftlicher Leiter des FNU Forschungszentrum Neu-Ulrichstein in Homberg, referiert zu „Bioökonomie – Zukunftsvision oder ein alter Hut? Wie kann der Vogelsberg die Transformation zur nachhaltigen und zukunftsfähigen Region meistern?“ (Foto: Vogelsbergkreis)

Gelungener Auftakt für die Bioökonomie

Wissenschaft, Praxis und Menschen aus der Region tauschen sich zu nachhaltigem Wirtschaften aus

VOGELSBERGKREIS

Wertstoffkreisläufe mit erneuerbaren Energien und nachwachsenden Rohstoffen neu aufstellen? Ein weiterentwickeltes Wirtschaftssystem, das Wertschöpfung vor Ort hält und so zu einer lebenswerten und zukunftsfähigen Region Vogelsberg beiträgt? Welche Bereiche der Bioökonomie können im Vogelsberg gefördert werden? Wer kann erfolgreich zusammenarbeiten? Und was ist eigentlich Bioökonomie? Fragen, die bei der gut besuchten Auftaktveranstaltung „Bioökonomie im Vogelsberg – wie geht das?“ des Vereins Region Vogelsberg im Mittelpunkt stehen.

Bioökonomie? Das könnten beispielsweise Projekte und Vorhaben sein, die Naturdämmstoff aus Pilzen, Verpackungen aus Gras sowie Folien aus Maisstärke herstellen, und so fossile Rohstoffe durch nachwachsende biobasierte Alternativen ersetzen oder in Prozessen anfallende Rohstoffe in anderen Produktions- oder Lebensbereichen weiterverwenden. „Um Potenziale und Möglichkeiten hier vor Ort herauszuarbeiten, wollen wir Expertise aus Wissenschaft und Praxis sowie die Menschen der Region zusammenbringen, um neue Wege auszuloten“, sagt Dr. Jens Mischak, Erster Kreisbeigeordneter und Vorsitzender des Vereins Region Vogelsberg, in seiner Begrüßung. Denn: „In der aktuellen LEADER-Förderperiode ist mit Bioökonomie als ein weiteres Handlungsfeld hinzugekommen – Es gilt also nun, gemeinsam Ideen zu entwickeln, um Potenziale unserer Region abzurufen“, unterstreicht der Wirtschaftsdezernent.

Foto: Vogelsbergkreis
Dr. Jens Mischak, Erster Kreisbeigeordneter und Vorsitzender des Vereins Region Vogelsberg, begrüßt die Gäste im „Wilden Mann“ zur Auftaktveranstaltung Bioökonomie.

Dazu hatte der Verein Region Vogelsberg unter anderem Experten aus Wissenschaft und Praxis eingeladen: Prof. Dr. Klaus Peter Ebke, Honorarprofessor Justus-Liebig-Universität Gießen / Wissenschaftlicher Leiter des FNU Forschungszentrum Neu-Ulrichstein in Homberg, stellt in seinem Vortrag das Thema „Bioökonomie – Zukunftsvision oder ein alter Hut? Wie kann der Vogelsberg die Transformation zur nachhaltigen und zukunftsfähigen Region meistern?“ in den Mittelpunkt. Für die Praxis berichtet Dr. Jochen Michels, Geschäftsstelle BioBall und Referent bei der DECHEMA e.V. im Fachbereich Biotechnologie, zum Thema „Der Innovationsraum BioBall: Neue Wertschöpfung in der Metropolregion durch zirkuläre Bioökonomie“.

Im Vortrag von Prof. Ebke ist die Frage der Wertschöpfung zentral. Denn eine erfolgreiche Bioökonomie hat dann Vorteile für die Region, wenn auch die Wertschöpfung dort verbleibt. Nicht nur Rohstoffproduktion sowie Herstellung der Zwischen- und Endprodukte für Ballungszentren soll in der Region stattfinden, sondern auch die wirtschaftlichen Vorteile sollten idealerweise vor Ort bleiben. Dazu müssen seiner Meinung nach Land- und Forstwirtschaft, Industrie sowie Wirtschaft allgemein mit den Kommunen und der Wissenschaft zusammenarbeiten, um weiterzukommen. Gemeinschaftliche Forschung, Planung, Förderung, regionales Marketing und Entwicklung versprechen dort Vorteile, meint Prof. Ebke.

Anschließend stellt Dr. Jochen Michels den „Innovationsraum BioBall“ vor, der unter der Überschrift „neue Wertschöpfung in der Metropolregion durch zirkuläre Bioökonomie“ neue Wirtschaftskreisläufe etablieren will. Wie Dr. Michels ausführt, ist „BioBall“ in der „Metropolregion FrankfurtRheinMain“ aktiv, um etwa die Ressourceneffizienz zu erhöhen, mittels neuer Produkte und Technologien Rest- und Abfallstoffe zu verwerten, Stoffkreisläufe zu schließen, und die Kreislauf-Bioökonomie generell voranzubringen. Konkrete Beispiele sind dabei etwa die Nutzung von Kakaoschalen und Apfeltrester für die Zucht von Insekten, die später als Fischfutter genutzt werden, Aminosäuren aus Grünschnitt für die Feinchemie oder als Futtermittel sowie Altspeisefette und flüssige Abfallsubstrate, die als Dämmstoff auf Zementschaumbasis genutzt werden, erläutert der Experte aus der Praxis. Bioabfälle, Grünschnitt, Lebensmittelabfälle, Klär- oder Papierschlamm sollen so über Kompostierung, Vergärung oder Verbrennung weitergenutzt werden. So könnten sie beispielsweise in Chemie-, Pharma-, Energie-, Wertstoff- oder Ernährungswirtschaft eingesetzt werden. „BioBall“ begleitet aktuell beispielsweise zehn Projekte, betreut Innovations- und Auswahlprozesse, bringt Institutionen und Akteure aus Gesellschaft und Wirtschaft zusammen und informiert zum Themenkomplex Bioökonomie, führt Dr. Michels aus.

Im Anschluss an die Vorträge widmen sich dann die Gäste der Entwicklung erster bioökonomischer Anwendungsbereiche im Vogelsbergkreis, sammeln Ideen für Maßnahmen und bewerten deren Nutzen. Außerdem zeigt eine Live-Umfrage via Smartphone unter den Gästen, dass in den Themenbereichen Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft, Bauwesen, Tourismus und Rest- und Abfallwirtschaft Potenziale gesehen werden oder bereits gearbeitet wird.

Der Verein Region Vogelsberg zieht ein positives Resümee zur Auftaktveranstaltung Bioökonomie und kündigt vier weitere Veranstaltungen zu den einzelnen Themenbereichen im kommenden Jahr an.

Weitere Informationen auf www.region-vogelsberg.de.

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