Foto: Nils Krömmelbein

Wenn es schnell gehen muss

Ein Blick in die Atemschutzausbildung der Feuerwehr Alsfeld-Mitte

ALSFELD

Es ist Samstagmittag, ein Löschgruppenfahrzeug steht im Werkstatthof des ehemaligen Alsfelder Feuerwehrhauses. Drumherum wuseln acht Feuerwehrmänner und Frauen. Sie haben sich spontan zur Atemschutzausbildung getroffen. Retten steht auf dem Plan.

Im Gebäude der Angriffstrupp, Nils und Burkhard. Nils ist Mitte zwanzig. Er begann mit der Kindergruppe bei der Feuerwehr, damals in Wallenrod. Burkhard Mitte 50, Quereinsteiger, seit ein paar Jahren unterstützt der Feldataler die Alsfelder tagsüber. Man ist froh über jeden mit Doppelzugehörigkeit in Alsfeld. Man arbeitet immer am Ausbau der Tagesalarmbereitschaft.  Zwei Feuerwehrmänner, deren Atemschutzmaske verdunkelt ist. Feuer in Gebäuden bilden hochtoxische Brandgase. Die Sicht ist gleich null. Die Augen helfen einem hier wenig weiter. Technik unterstützt. Eine Wärmebildkamera, heute Standardausrüstung eines Atemschutztrupps. Vor 20 Jahren noch ein Novum.

Feuerwehr entwickelt sich weiter, wie sich die Technik weiterentwickelt. Schnell kommen bei den Trupps Werte von 5.000 bis 10.000 Euro an Material und Technik zusammen. Schutzkleidung, Schläuche, Strahlrohre, Werkzeug.

In verrauchten Bereichen kann man oft nur 20-30 cm weit schauen. Da muss man die anderen Sinne schärfen. Man bewegt sich tastend vor. Die Feuerwehraxt dient als Armverlängerung. Der Werkstattflur ist nicht groß. Ein paar Räume, rechte Hand, zwei auf der linken Seite. Vorne geht es in einen weiteren Flur. Die älteren Feuerwehrmänner kennen den Bereich, die jüngeren haben so ihre Probleme. Manche sind zum ersten Mal hier. Perfekte Bedingungen. Wie im Einsatz, denn da kennt man sich auch nicht aus. Plötzlich wie aus dem nichts ertastet man eine Puppe. Ein kurzer Funkspruch an den Gruppenführer, der draußen vor dem Gebäude steht. „Gruppenführer 1-44 von Angriffstrupp 1-44 kommen“. Jeder weiß nun an der Einsatzstelle, wer angesprochen wurde. Die „1“ ist die Standortkennzahl. Diese steht für die Feuerwehr Alsfeld-Mitte, die Kernstadt. 44 ist der Funkrufname für ein LF16/12. Ein Löschgruppenfahrzeug mit einer Besatzung von neun Personen und 1600 Litern Löschwasser. Der Gruppenführer antwortet: „1-44 hört“. „Person gefunden, wir kommen jetzt raus“, meldet der Angriffstrupp. „1-44 verstanden“. Ein knappes „Ende“ signalisiert allen auf dem gleichen Funkkanal, dass das Gespräch beendet ist.

Foto: Nils Krömmelbein

Unterdessen schnapp sich der Angriffstrupp die Puppe. Diese hat rund 80 Kilo und sie hilft nicht mit. Sie ist unhandlich wie ein „nasser Sack“. Wenige Sekunden später sind sie wieder im Freien, denn sie sind ihrer Schlauchleitung gefolgt. Neben dem Gruppenführer Florian steht Anton, er übernimmt in diesem Fall die Atemschutzüberwachung. Die Atemschutzüberwachung überwacht den Trupp. Er schreibt Flaschendrücke mit, versucht den Standort im Auge zu behalten. Damit es beim sogenannten Atemschutznotfall schnell geht.

Draußen steht immer ein Sicherheitstrupp parat. In Sekunden können Sie das Gebäude betreten, um ihre Kameraden zu unterstützen oder Sie aus einer Notlage zu befreien. Darauf liegt an diesem Samstagnachmittag das Hauptaugenmerk neben der Menschenrettung. Es ist vielleicht einer der Gründe, warum Feuerwehrleute immer vom Kameraden oder der Kameradin reden. Weil man ganz unverblümt sich darauf verlässt, dass, wenn es im Innenangriff zu einem Unfall kommt, der Sicherheitstrupp alles daran setzt, seine Kameraden aus der Lage zu „Retten“.

Ein großer Teil von dehnen, die an diesem Samstag üben war schon mal im Innenangriff. Sie wissen, was es bedeutet, wenn das Feuer in einer Wohnung wütet. Wenn man sich nur noch tief am Boden bewegen kann, weil es bereits in einem Meter Höhe über 100 °C heiß sein kann.

Eine Übung folgt der anderen. Im Anschluss folgt immer die „Manöverkritik“. Was war gut? Wo geht noch was? Wo muss nachgebessert werden? Fehlerkultur ist wichtig bei der Feuerwehr, sonst entwickelt man sich nicht weiter.

Sie Üben so lange, wie es ihnen Spaß macht. Die Positionen tauschen willkürlich. Im Einsatzfall kann man sich nicht aussuchen, wer auf dem anderen Platz mit Atemschutz im Fahrzeug sitzt. Gegen 19:30 Uhr fährt man zufrieden zurück. Im Anschluss grillt man noch ein paar Würstchen. Ein Teil der Gruppe diskutiert noch bis nach Mitternacht über Verbesserungen der Taktik. Übrigens entgegen der landläufigen Meinung ganz ohne Alkohol. (Carsten Schmidt) +++

Foto: Nils Krömmelbein

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