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„Turnhalle ist marode“ – „Die Leute wachrütteln“

150 Wartenberger diskutierten und demonstrierten am Donnerstagabend vor der maroden Halle

ANGERSBACH

Rund 150 Wartenberger diskutierten und demonstrierten am Donnerstagabend vor einem offiziellen Termin zwischen Kreis, Gemeinde und Vereins-Vertretern für eine Sanierung oder einen Neubau der Turnhalle in Angersbach.

Archivfoto: Vogelsberger Zeitung

Man will die Leute wachrütteln und die Menschen sensibilisieren, dass die Turnhalle für die Gemeinde und den Sport wichtig sei. „Wir sind sehr dran interessiert, dass die Halle erhalten bleibt. Wir als Verein sehen diverse Mängel, die die Halle aufweist“, sagt Gunnar Habl, Abteilungsleiter Leichtathletik im TV Angersbach e. V. Man fürchtet, dass von einer Behörde die Halle geschlossen wird. Mit dieser Aktion will man zeigen, dass nicht ein paar Menschen Interesse an der Halle haben, sondern die große Masse. Gunnar Habl ist auch mit vielen anderen Gruppen als Übungsleiter in der Halle tätig. Die Mängel, die beseitigt werden müssten, seien nicht erst seit heute, erklärt Gunnar Habl. „In welcher Form das auch immer ist, durch eine Sanierung oder Neubau, das müssen Experten feststellen“, so Habl.

„Die Turnhalle ist marode und es muss sich dringend etwas tun, um den Schul- und Vereinssport zu erhalten“, erklärte Karsten Ittmann, der Vorsitzende des TV Angersbach den rund 150 Wartenbergern vor dem Schulgelände in Angersbach.

Dietmar Schnell, der auch für die Fraktion Linke/Klimaliste im Vogelsberger Kreistag sitzt, bringt das Problem auf den Punkt: „Ich beklage schon seit vielen Jahren den desolaten Zustand dieser Halle. „Man muss permanent damit rechnen, dass am nächsten Tag die Halle geschlossen wird“, so Schnell. Im Sportentwicklungsplan, der einstimmig von der Gemeindevertretung verabschiedet worden sei, stünde, dass eine neue Halle gebaut werden solle, sagt Dietmar Schnell. Die Halle sei sehr wichtig, denn es seien zwei große Sportvereine, Angersbach, Landenhausen und HSG Vulkan Vogelsberg, die eine Halle benötigen. „Die Gemeinde hätte das Problem früher angehen müssen, als die Schule noch größer war. Mittlerweile ist hier nur noch eine Grundschule mit wenigen Klassen, weshalb der Kreis sagt, dass eine kleine Ein-Feld-Halle ausreicht.“

Karsten Ittmann: „Wir diskutieren schon seit über acht Jahren über den Zustand der Halle. Sie ist marode, es muss sich dringend etwas tun zur Erhaltung unseres Schul- und Vereinssports.“ Das sei der Grund, weshalb man sich am Donnerstag vor der Grundschule und somit vor der Halle traf. Man wolle vor dem offiziellen Termin damit ein Zeichen setzen. Man erhoffe sich damit eine positive Antwort oder Perspektive. Dies forderte Ittmann in seinen Worten an die Demonstranten und die Kreisspitze aus Landrat Görig und Erstem Kreisbeigeordneten Dr. Jens Mischak. Er hoffe, dass verschiedene Optionen ausgearbeitet werden, bei der sowohl Neubau, als auch Sanierung und die Größe der Halle bedacht werden. Man fordere einen Neubau einer Zweifeld- oder Dreifeldhalle. „Diese Optionen sollten auf dem Tisch liegen“, so Ittmann. Natürlich müsse eine Finanzierung geklärt werden. „Wir als Verein sind dazu bereit, immer wieder hier anzutreten und uns zu versammeln – solange, bis wir eine konkrete Antwort auf unsere Forderungen bekommen“, stellte Ittmann in Aussicht.

Landrat Görig machte den Demonstranten vor Ort Hoffnung und stelle Möglichkeiten in Aussicht. „Am Ende ist es so: Wenn man Lösungen haben möchte, dann müssen die Gemeinde und der Landkreis etwas gemeinsam machen, sonst wird es schwierig. Das muss man deutlich sagen“, erklärte der Landrat. Wenn man am Ende zusammen etwas auf den Weg bringe, dann könnte es gehen, betonte der Landrat. Der Landkreis, so sagte er, würde eine neue Halle bauen, die dem Schulsport entspricht. Das sei eine Ein-Feld-Halle, mehr passiere allein seitens des Kreises nicht. Wenn diese zu klein sei, dann müsse eine gemeinsame Lösung wie in Grebenhain oder Freiensteinau gefunden werden. Das allerdings dauere seine Zeit, brauche Planungen und Entscheidungen von Gemeinde und Kreis und irgendwann brauche es auch Geld, das vorher in die Haushalte eingestellt werden müsste. „Dann kann man sagen, dass eine Perspektive da ist. Da müssen aber alle mitgehen wollen und deshalb diskutieren wir heute“, sagte Görig.

Im Nachgang zu dem Vor-Ort-Termin gab der Kreis an diesem Freitag noch eine Pressemitteilung heraus:

„Der Ball liegt jetzt bei der Gemeinde“
Landrat Manfred Görig: Projekt lässt sich nur gemeinsam verwirklichen

Die Botschaft an diesem Abend ist eindeutig: Eine neue Sporthalle in Angersbach kann nur gebaut werden, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Beim Ortstermin mit Vertretern der Kommunalpolitik, des Sports und der Schule am Donnerstagabend in der Aula der Grundschule zeichnet Landrat Manfred Görig diesen Weg gleich mehrfach auf und nennt Beispiele aus vier anderen Vogelsberg-Kommunen, in denen auf diese Art und Weise neue Sporthallen gebaut werden konnten. „Der Ball liegt jetzt bei der Gemeinde, am Ende muss die Gemeinde Wartenberg sagen, was sie will“, so der Landrat.

„Wir wissen um die Notwendigkeit einer Sanierung“, sagt Görig, „gleichwohl wird der Schulsport von uns weiterhin sichergestellt. Erst in dieser Woche hat ein Ingenieurbüro erneut die Tragkonstruktion überprüft. Die Halle ist standsicher, es müssen keine Sofortmaßnahmen vorgenommen werden.“

Auf Vordermann gebracht werden muss nicht nur die Halle in Angersbach, sondern ein Großteil der insgesamt 33 Hallen im Vogelsbergkreis – und genau das ist die Crux. Denn dafür fehlt schlichtweg das Geld. Weit über 60 Millionen wurden in den letzten Jahren in die Schulen investiert, 16 Millionen werden noch nach Grebenhain fließen, um die 30 Millionen werden zum jetzigen Zeitpunkt für Grund- und Gesamtschule Mücke veranschlagt und der Neubau des Alsfelder Krankenhaus wird 80 Millionen kosten, zählt der Landrat auf. „In dieser Güte bewegen wir uns, dazu kommt der große Sanierungsbedarf an Turnhallen aus den 70er und 80er Jahren.“ Diese Aufgabe ist deshalb nur zu leisten, wenn sie zeitlich gestreckt wird. Das bedeutet: Es wird eine Prioritätenliste erstellt, nach der peu à peu die Sanierungen vorgenommen werden. „Ich prophezeie einmal, dass eine Halle für 2000 Schüler vor der kleinen Halle hier in Angersbach an der Reihe ist, es kann also noch dauern“, so Görig. „Und dann muss man schauen, ob eine Sanierung überhaupt möglich ist nach heutigen Anforderungen.“ Muss neu gebaut werden, „dann gibt es eine kleine Halle mit 400 Quadratmetern, die wir für den Schulsport benötigen, mehr geht nicht“, macht Manfred Görig deutlich, zeigt aber zugleich eine Alternative auf: Freiensteinau, Grebenhain, Herbstein und Mücke bauten ihre Sporthallen selbst – mit einem hohen Investitionszuschuss (zwischen knapp 800.000 Euro in Freiensteinau und 1,8 Millionen in Mücke) des Kreises, der die Hallen im Gegenzug für den Schulsport nutzt. Außerdem beteiligt sich der Kreis prozentual an den Betriebskosten.

Ein solches Modell können sich Landrat und Erster Kreisbeigeordneter Dr. Jens Mischak auch für Angersbach vorstellen. „Wenn mehr gewünscht wird als eine Einfeld-Halle, wie wir sie für den Schulsport benötigen, dann geht das nur gemeinsam“, macht Görig deutlich. „Die Zielsetzung muss sein, dass wir eine gemeinsame Lösung finden. Die Bereitschaft ist da: Wir stellen einen Betrag X zur Verfügung, aber dann muss die klare Aussage der Kommune kommen, was sie wirklich will“, ergänzt Dr. Jens Mischak. „Wenn die Gemeinde einen Weg findet, dann machen wir uns mit auf den Weg. Am Ende haben wir dann eine neue Halle für den Schulsport, die Gemeinde hat eine neue Halle für den Vereinssport und am Ende haben wir alle etwas gewonnen.“

Vertreter der Kommunalpolitik und der Sportvereine wollen nun gemeinsam beraten, wie das Projekt umgesetzt werden kann, sie wollen Kosten ermitteln und Optionen ausarbeiten. Das Amt für Hochbau, Energie und Gebäudewirtschaft hat den Auftrag, prüfen zu lassen, ob eine Sanierung der Sporthalle überhaupt möglich ist. Wobei die Richtung am Donnerstag bereits eindeutig von Seiten des Sports formuliert wird: „Wir gehen das an, unser Ziel ist es, in fünf Jahren eine neue Halle zu haben.“

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